Es gibt viele verschiedene Arten auszusteigen oder sollte man lieber sagen umzusteigen. Wir nennen es Leben außerhalb herkömmlicher Strukturen.

Seit mehr als 10 Jahren leben wir als Paar auf unserem Segelboot, und das  ausschließlich! Also 365 Tage im Jahr.
Ob das geht?
So gut, dass wir diese Art zu leben ungern eintauschen möchten.

Ob es nicht zu eng ist?
Unser Boot mit 12 m Länge und 4 m Breite ist damit sehr geräumig, verfügt über ein großes Cockpit und einen riesigen Pool 🙂 ~ rundherum.
Durch einen weiten Rundumblick empfinden wir das nicht als eng.
Das werden andere „livabords“ auf Booten sicher bestätigen.
Ja, tatsächlich, es gibt andere, um nicht zu sagen viele sogenannte „Seenomaden“ weltweit, wie wir es sind ~ wir sind also keinesfalls Exoten.

Natürlich ist unser Lebensraum begrenzt, was bedeutet, keinen unnötigen Ballast anzuhäufen, geschweige denn mitzuschleppen.
Mit den Recourcen Wasser und Strom lernt man sorgsamer umzugehen. Strom produzieren wir mit unseren Solarpanelen. Der 700 Liter fassende Wassertank muss natürlich ab und zu nachgefüllt werden.
Gekocht wird mit Gas aus Flaschen und diese müssen, wenn leer, getauscht und nachgefüllt werden.

Somit sind Landgänge nicht nur Ausflüge, sondern dienen ebenso der Versorgung.
Wobei es nicht immer einfach ist den nächstgelegenen Supermarkt oder Laden zu finden, den man dann auch zu Fuß oder per Bus erreichen kann.
Fürs Boot einkaufen heißt auch, so einzukaufen, dass die Lebensmittel nach Haltbarkeit geplant, gekocht und verzehrt werden.
Auf den herkömmlichen Gefrierschrank verzichten wir aus Energiegründen. Also wird viel vorgebraten, eingekocht oder anderweitig konserviert. Vom wunderbar sonnengereiftem Obst hier im Mittelmeerraum wird Marmelade gekocht. Wir kochen, braten und backen in unserem Bootsofen alles, worauf wir Lust und Appetit haben.
Willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan ist selbst gefangener Fisch, sofern sich mal einer an unsere Angel verirrt.
Leider ist er sehr rar geworden im Mittelmeer. Wenn wir nicht selbst was fangen, bleibt noch der Fischhändler.
Geht doch mal ein größerer Fisch an die Angel, dann gibts einige Tage lang Fisch, gebraten, mariniert zu Carpaccio und eingeweckt für fischarme Zeiten.

Ein anderes, sehr wichtiges Thema ist natürlich auch die Pflege und Instandhaltung unseres schwimmenden Zuhauses, das Boot in seetüchtigem Zustand zu erhalten.

Das bedeutet verantwortungsvolles Umgehen mit Motor, Segeln und Instrumenten. Das erfordert, so mein Käptn, im Durchschnitt 2 Stunden Bootspflege pro Tag. Und damit ist er sehr gewissenhaft. Regelmäßige Motorwartung ist notwendig, ebenso alle 2 bis 3 Jahre das Boot an Land heben, Unterwasserschiff streichen und Ventile checken, Dichtungen erneuern. Das ist alles Winterarbeit.
„Auf einem Boot gibt es immer was zu tun“! Diesen Satz kennt jeder Bootseigner. Jedenfalls langweilig wird’s uns nie.
Klar kostet dieses Instand halten so einiges und man sollte sich an solch ein Bootsleben nicht wagen, wenn man zwei linke Hände hat.
Es sei denn, man kann jeden Handwerker bezahlen.
Wer alles selbst machen kann ist eindeutig besser und preiswerter dran.
„Gas, Wasser, Elektro, Sch….“ sagte mal einer. Und genau mit diesen Gewerken muss man umgehen können.

Segeln? Damit sicher auch. Ohne Erfahrung würden wir uns nicht auf’s offene Meer wagen. Segelscheine? Von diesen heiligen „Scheinen“ braucht man eigentlich nur den SBF See. Der Rest sind Erfahrungen.
Es sei denn man nutzt das Boot als Hausboot, an einem festen Platz.

Finanzen?
Wohl mit das wichtigste Thema für die meisten.
Ja, auch wir waren mal in dem Hamsterrad der Existenzsicherung.
Das Boot finanziert mit Gespartem und unserer Hände Arbeit.
Wer handwerklich gut drauf ist, findet auch unterwegs immer mal einen Job um die Bordkasse aufzubessern.
Anfangs haben wir das auch so gemacht, jetzt können wir auf unsere Rente zurück greifen.

Alles in allem brauchen wir auf dem Boot entschieden weniger Geld als in unserem früheren Leben an Land.
Natürlich gehen wir nicht in die teuersten Schikimiki Marinas im Winter sondern suchen den Standort gezielt aus nach Sicherheit und Kostenfaktor. Kleidung und Schuhe braucht man nur das Nötigste, mehr hat sowieso keinen Platz auf dem Boot. Wenn was Neues kommt, geht was Altes.
Also kein Auto, kein Fernseher, kein GEZ, keine Miete mit NK, weniger Versicherungen, keine Parkgebühren oder Strafzettel ;-), Frisur selfmade.

In Abhängigkeit von Natur und Wetter schenken wir diesen Beobachtungen natürlich größte Aufmerksamkeit. Wir planen unsere Reise nach der besten Windrichtung, und hasten nicht von A nach B. Wo sind Ankermöglichkeiten und wie ändert sich der Wind? Das sind die Abwägungen, die für unsere Reise wichtig sind.
Gute Wetterapps, zum Beispiel „Windy“ (https://www.windy.com
Wind map & weather forecast) ermöglichen eine relativ gute Planung.
Navigation funktioniert mittlerweile super mit Apps wie „Navionics Boating“ auf dem Tablet (https://www.navionics.com Navionics Boating Marine & Lakes App).

Wenn wir in einem Land gute Internetverbindung bekommen können, dann sehen wir auch mal Videos, Filme und Nachrichten an, um nicht ganz von der Welt und ihren Sorgen abgeschnitten zu sein.

In den Sommermonaten sind wir in der Regel unterwegs, bereisen zur Zeit das Mittelmeer, ankern in schönen Buchten und erkunden Land und Leute. Mal zu Fuß, mal mit Leihroller, Leihwagen oder Bus.

Der Winter ist mit Arbeiten am Boot und Social life mit anderen Seglern aus den verschiedensten Ländern ausgefüllt.

Wer Lust hat für ein bis zwei Wochen auf unserem Schiff anzuheuern um unsere Lebensart kennenzulernen und weitere Tipps zu bekommen, kann sich gerne bei uns melden.

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